Jammern hilft nicht: die Diskussionskultur ist (auch geprägt durch das, was vor allem von Politikern und in Talkshows im TV geboten wird) sehr ruppig geworden. Unterbrechungen gehören zur Tagesordnung. Das höfliche Ersuchen "Lassen Sie mich doch ausreden!" ist nicht empfehlenswert: es wirkt entweder hilfesuchend-weinerlich, oder oberlehrerhaft. Probieren Sie statt dessen einmal die "Freundliche Gummischleife"!
Wenn Sie am Wort sind, haben Sie Anspruch darauf, Ihren Gedanken zu Ende zu führen. Gegen einen (ruppigen) Unterbrechungsversuch hilft Ihnen eine bewährte Verteidigungstechnik, die Sie besonders gut beobachten können, wenn Politiker interviewt werden. Die sprechen nicht einfach weiter, denn das Gesagte würde untergehen, sondern sie wiederholen den gerade begonnenen Satz unbeirrt, gehen also "auf Schleife" solange, bis der Interviewer aufgibt.
Angenommen, Sie setzen an:
"Wir haben ein neues Programm entwickelt …" - und da passiert der
1. Unterbrechungsversuch: "Erklären Sie lieber einmal, warum das Alte nicht funktioniert!"
1. Wiederholung "Wir haben ein neues Programm entwickelt …" (dabei freundlich dreinschauen)
2. Unterbrechungsversuch: "Ich frage Sie, warum das Alte nicht so funktioniert hat …"
2. Wiederholung, unbeirrt "Wir haben ein neues Programm entwickelt …" (dabei freundlich dreinschauen, aber abwehrende Handbewegung in Richtung Störenfried)
3. Unterbrechungsversuch: "Sie sollten einmal darüber nachdenken, warum Sie dauernd …"
3. Wiederholung, gleichmütig freundlich "Wir haben ein neues Programm entwickelt …" (ev. ablehnend den Kopf schütteln – spätestens jetzt gibt der Gegner entnervt auf oder der Moderator bremst ihn ein) "… das uns folgende Vorteile bringt: …)
Die "Freundliche Gummischleife" trainieren Sie in einem Coaching oder ganz gezielt im "Argumentatissimum". Damit haben Sie gute Chancen, die Unsitte des Unterbrechens wenigstens punktuell abzustellen und Ihre Wortmeldung so abzuschließen, wie Sie es vorhatten.