Fragen oder als Fragen getarnte Einwände sind immer wieder "Bauchwehsituationen" besonders während oder nach einer Präsentation, wenn man sich sowieso unter Beobachtung und irgendwie verwundbar fühlt. Es ist wie fahren auf Glatteis: gute Ratschläge helfen wenig, die richtige Reaktion muss automatisch kommen. Dazu hilft bei Glatteis ein "Schleuderkurs" und in der Kommunikation das Reaktionstraining. Wie reagieren Sie auf "An Ihren Zeitplan kann nur ein krankhafter Optimist glauben!"
Diese Frage (die natürlich gar keine ist) meistern Sie erst in der fünften Stufe unseres Reaktionstrainings, das wir Ihnen in verkürzter Form hier vorstellen. Überlegen Sie immer zuerst, wie Sie reagieren würden, bevor Sie den Lösungsvorschlag lesen! ACHTUNG: das sind immer nur Vorschläge und Anregungen, keinesfalls die "beste" oder "sicherste" Antwort!!
Stufe 1: Einfache Fragen mit sachlichem Inhalt
Technik: Einfach die Frage wiederholen und damit an sich selbst richten, erst dann antworten. Nutzen: Zeit gewinnen, Verständnis zeigen - einen positiven Einstieg für Ihre Argumentation finden.
1. "Gibt es dazu Erfahrungswerte?"
"Gibt es dazu Erfahrungswerte? Ja, und zwar haben wir folgende Fakten …" Oder
"Welche Erfahrungswerte gibt es dazu? Der erste Wert ist ..."
2. "Wie wollen Sie das in ihrem Budget unterbringen?"
"Wie werde ich das in meinem Budget unterbringen? Ein Teil der Mittel kommt aus …" oder "Wie wollen wir das in unserem Budget unterbringen? Dafür sehe ich zwei Möglichkeiten, nämlich ..."
Stufe 2: Sachfragen, in denen aber bereits Kritik oder Zweifel mitschwingt.
Technik: geschlossene in offene Fragen umwandeln (geschlossene Fragen beginnen mit einem Zeitwort "Haben Sie …?", "Können wir …?" und erwarten daher die Antworten „ja“ oder „nein“. Um von vornherein nur in die von Ihnen gewünschte Richtung zu gehen, verwandeln Sie die geschlossene in eine offene Frage, die meist mit einem W-Fragewort beginnt (daher auch „W-Frage“), z.B. „Woher …?“, „Wie …?“ aber auch "Aus welchen Gründen …?" Nutzen: Argumentations-spielraum in der gewünschten (positiven) Richtung eröffnen.
1. "Haben Sie dazu eine Alternative?"
"Welche Alternativen gibt es dazu? Wir haben insgesamt 3 Möglichkeiten, nämlich erstens …"
2. "Glauben Sie, dass das in unserem Betrieb umsetzbar ist?"
"Warum glaube ich, dass das in Ihrem Betrieb umsetzbar ist? Es gibt vor allem einen ganz wichtigen Grund, der dafür spricht, nämlich…"
Stufe 3: Kritische Fragen, die durch "Reizworte" geladen sind.
Reizworte wie eigentlich, überhaupt, endlich einmal, schon wieder, im Ernst … lassen uns Zweifel oder Kritik spüren und bringen uns in eine Verteidigungshaltung. Die Frage „Haben Sie das überhaupt durchgerechnet?“ interpretieren wir unbewusst so, dass der Fragesteller das sehr bezweifelt – und wir reagieren entsprechend …
Technik: Die Frage einfach ohne Reizworte wiederholen.
Dann die – entschärfte – Frage beantworten, gleichzeitig geschlossene (ja/nein) in offene (W-) Fragen umwandeln. Nutzen: Positiv, nicht defensiv reagieren, sachlich bleiben.
1. "Haben Sie eigentlich irgendwelche Alternativen überlegt?"
"Welche Alternativen habe ich überlegt? Wir haben insgesamt 3 Möglichkeiten, nämlich erstens …"
2. "War diese Aktion denn überhaupt notwendig?"
"Warum war es notwendig, das zu tun? Da gab es einerseits finanzielle Überlegungen …"
Die Stufen 4 (schwere Bedenken entkräften) und 5 (eindeutig negative Beiträge abwehren) trainieren Sie im "Argumentatissimum". - Auf die eingangs zitierte "Frage" "An Ihren Zeitplan kann nur ein krankhafter Optimist glauben!" könnten Sie z.B. so reagieren: "Was macht mich sicher, dass unser Zeitplan realistisch ist? Vor allem haben wir dabei ..."